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Meine 5 Don'ts beim Mantrailing

14. Aug.
5 Min. Lesezeit


Mantrailing bedeutet für mich weit mehr, als einem Hund dabei zuzusehen, wie er einer Geruchsspur folgt. Es geht um Kommunikation, Vertrauen und darum, gemeinsam als Team zu arbeiten.


Beim Mantrailing gibt es unterschiedliche Trainingsansätze und Philosophien. Was für den einen Trainer selbstverständlich ist, sieht der nächste vielleicht ganz anders. Deshalb möchte ich vorweg klarstellen: Diese fünf Punkte sind meine persönlichen Don’ts – Dinge, die ich aus Überzeugung in meinem Training nicht so handhabe.


Was sie alle gemeinsam haben? Ich möchte meinen Hunden ermöglichen, selbstständig zu arbeiten, eigene Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu finden – und gleichzeitig einen Menschen an ihrer Seite zu haben, der sie aufmerksam begleitet und lesen kann.



  1. Ungeduld beim Hundeführer


Mantrailing ist für Hunde Hochleistungssport.


Während wir als Menschen oft nur sehen, dass unser Hund irgendwo steht oder sich gerade nicht eindeutig in eine Richtung bewegt, passiert in seinem Kopf und vor allem in seiner Nase unglaublich viel.


Gerade im Aufbau, bei neuen Trainingsaufgaben oder in geruchlich schwierigen Situationen brauchen Hunde manchmal einfach einen Moment, um sich zu sortieren und geruchliche Klarheit zu bekommen.


Genau diesen Moment müssen wir ihnen zugestehen.


Das bedeutet: aushalten, beobachten und dem Hund Zeit und Raum zum Arbeiten geben.

Nicht von hinten schieben. Nicht ständig verbal weiterschicken. Nicht nervös werden, nur weil der Hund gerade nicht so arbeitet, wie wir es erwarten.


Je selbstständiger und ohne Einfluss der Mensch arbeiten lässt, desto mehr kann der Hund lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu entwickeln. Das schafft langfristig nicht nur mehr Selbstbewusstsein, sondern auch mehr Effizienz in der Suche.


Dazu gehört für mich auch, dass wir uns von der Vorstellung lösen müssen, ein Trail müsse wie auf Schienen verlaufen.


Ein Hund muss nicht zu jeder Sekunde exakt auf dem Trail laufen. Geruch ist kein sichtbarer Strich auf dem Boden. Wind, Verwirbelungen, Bebauung, Vegetation, Gelände und viele andere Faktoren beeinflussen die Geruchslage.


Deshalb dürfen Hunde sich auch einmal links oder rechts vom Trail Dinge anschauen. Sie dürfen Informationen aufnehmen, überprüfen und sich geruchlich sortieren.


Nicht jede Abweichung ist ein Fehler. Manchmal ist sie ein notwendiger Teil der Suche.



  1. Den Geruchsartikel aufzwingen


Der Geruchsartikel ist der Ausgangspunkt der gesamten Arbeit. Für mich ist deshalb entscheidend, dass der Hund den Geruch eigenständig entdecken und erkunden darf.


Gerade beim Antrailen eines Hundes möchte ich nicht, dass der Geruchsartikel einfach vor die Nase gehalten und dem Hund aufgedrängt wird. Deshalb starte ich beispielsweise mit Kleidungsstücken, die auf dem Boden liegen. Der Hund kann sich ihnen selbstständig nähern, sie untersuchen und den Geruch aufnehmen.


Erst nach und nach stelle ich auf einen kleineren Geruchsartikel um, der beispielsweise in einem Glas angereicht wird.


Auch das Überziehen von Plastiktüten oder ähnliche Konstruktionen gibt es bei mir nicht.


Warum?


Weil der Geruchsartikel für mich nicht einfach ein notwendiges Mittel zum Zweck ist. Er ist der wichtigste Ausgangspunkt der gesamten Suche.


Der Hund soll lernen: Dieser Geruch ist relevant. Diesen Geruch möchte ich erkunden.


Und genau deshalb möchte ich, dass er von Anfang an Freude daran hat, den Geruchsartikel wahrzunehmen und sich mit ihm auseinanderzusetzen.



  1. Den Kontakt über die Leine verlieren


Beim Thema Leinenarbeit gibt es unterschiedliche Trailphilosophien. In meinem Training hat die Leine eine ganz besondere Bedeutung.


Für mich ist sie das wichtigste Bindeglied zwischen Mensch und Hund auf dem Trail.


Die Kommunikation läuft nicht nur über das, was wir sehen. Wir können über die Leine

kleinste Veränderungen wahrnehmen: Veränderungen im Zug, im Tempo, in der Richtung oder in der Art, wie der Hund sich durch eine Situation bewegt.


Voraussetzung dafür ist eine konstante Verbindung.


Eine dauerhaft völlig durchhängende Leine nimmt uns einen wichtigen Teil dieser Kommunikation.


Gerade bei unsicheren Hunden kann die Leine außerdem eine zusätzliche Sicherheit geben. Der Hund spürt: Mein Mensch ist da. Ich muss diese schwierige Aufgabe nicht alleine lösen.


Dabei ist mir ein Punkt besonders wichtig: Kontakt halten bedeutet nicht, den Hund zu lenken.


Die Leine soll Kommunikation ermöglichen – nicht die Richtung vorgeben.

Ich möchte meinen Hund nicht über die Leine dorthin bringen, wo ich glaube, dass er hinmüsste. Ich möchte spüren können, was mein Hund macht, ohne ihm die Entscheidung abzunehmen.


Genau diese Balance zwischen Kontakt und Selbstständigkeit ist für mich ein wichtiger Bestandteil guter Teamarbeit.



  1. Den Hund sofort stoppen, wenn er vom Trail abweicht


Das ist für mich eine der größten Todsünden im Mantrailing.


Denn überlegen wir einmal, was im echten Suchszenario passiert: Der Hundeführer weiß nicht, wo die gesuchte Person ist.


Er weiß nicht, welchen Weg sie genommen hat. Er weiß nicht, wo sich Geruch gesammelt oder verteilt hat. Und er weiß auch nicht, welche Informationen der Hund gerade verarbeitet.


Wenn wir im Training unseren Hund deshalb sofort stoppen, sobald er sich einmal links oder rechts Dinge anschaut, nehmen wir ihm die Möglichkeit, genau diese Situationen selbstständig zu lösen.


Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Richtung richtig ist. Aber der Hund soll die Chance bekommen, die Situation auf seine Art zu erarbeiten und zu bewerten und daraufhin eine Entscheidung zu treffen.


Denn wenn wir ihm diese Entscheidungen ständig abnehmen, kann daraus ein Problem entstehen: Der Hund entwickelt weniger Lösungskompetenz und möglicherweise auch weniger Selbstvertrauen in seine eigene Arbeit.


Bei manchen Hunden lässt sich dann beobachten, dass sie immer häufiger Blickkontakt zu ihrem Menschen aufnehmen. Nicht, weil sie plötzlich keine Nase mehr haben. Sondern weil sie gelernt haben:

Ich weiß nicht weiter – vielleicht sagt mein Mensch mir, was ich machen soll.


Genau das möchte ich im Mantrailing nicht fördern.


Mein Ziel ist nicht, dass der Hund permanent nachfragt, ob seine Entscheidung richtig ist. Mein Ziel ist, dass er lernt, selbstständig zu arbeiten und auch schwierige Situationen aus eigener Kompetenz heraus zu lösen.



  1. Blind hinter dem Hund herlaufen


Der letzte Punkt klingt zunächst vielleicht widersprüchlich.


Einerseits soll ich meinen Hund nicht lenken. Andererseits soll ich ihn lesen und seine Arbeit verstehen.


Für mich ist genau das der Kern von Mantrailing: Mantrailing ist Teamsport.


Der Mensch soll weder vorgeben, wo es langgeht, noch einfach blind hinter dem Hund herlaufen. Wir müssen lernen, unseren Hund zu beobachten:


  • Was bedeutet seine Körpersprache?

  • Was bedeuten seine Blicke?

  • Wie verändert sich sein Tempo und sein Leinenzug?

  • Will er tatsächlich in diese Richtung – oder schließt er sie gerade nur aus?


Genau diese kleinen Signale zu erkennen und miteinander in Zusammenhang zu bringen, ist etwas, das wir als Hundeführer lernen müssen. Denn erst wenn ich meinen Hund lesen kann, kann ich wirklich verstehen, was er gerade tut – und ihn entsprechend bei seiner Arbeit unterstützen.


Diese Fähigkeiten entstehen nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich mit jedem Trail, mit genauer Beobachtung und vor allem dadurch, dass wir unseren Hund wirklich kennenlernen.


Denn jeder Hund entwickelt seine ganz eigene Art zu suchen. Genau diese individuelle Körpersprache zu erkennen und richtig zu lesen, ist ein wichtiger Bestandteil des Trainings.


Nur wenn wir verstehen, was unser Hund uns mitteilt, können wir ihn bei seiner Arbeit wirklich sinnvoll unterstützen.



Fazit


Die fünf Punkte haben für mich eine gemeinsame Grundlage: Der Hund soll die Möglichkeit bekommen, selbstständig zu arbeiten, während der Mensch aufmerksam begleitet und unterstützt.


Das bedeutet für mich, dem Hund die nötige Zeit zu geben, ihn den Geruchsartikel selbstständig entdecken zu lassen, den Kontakt über die Leine aufrechtzuerhalten, ihn nicht vorschnell in seiner Arbeit zu unterbrechen und gleichzeitig zu lernen, seine Körpersprache und sein Verhalten richtig zu lesen.


Dabei geht es nicht darum, dass der Mensch möglichst wenig tut. Im Gegenteil: Ein guter Hundeführer muss sehr aufmerksam sein. Er sollte wissen, was sein Hund gerade tut, Veränderungen wahrnehmen und einschätzen können, wann Unterstützung notwendig ist.

Die Herausforderung liegt für mich darin, zwischen Unterstützung und Einflussnahme zu unterscheiden.


Genau deshalb sind diese fünf Punkte für mich wichtige Grundlagen meiner Trainingsarbeit.

 
 
 

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